Mehr Ausdruck als Whoopi Goldberg


Gospel-Benefizkonzert zu Gunsten der Mukoviszidose-Selbsthilfe wird gut besucht und bringt 2710€ Spenden ein


BAESWEILER. Es ist mehr als 15 Jahre her, dass Whoopi Goldberg mit dem Film "Sister Act" für Furore sorgte. Doch der Film erfreut sich bis heute größter Beliebtheit und hat ein Bild entscheidend mitgeprägt: Das des Gospelgesanges. Ob die Besucher des Benefizkonzertes in St. Willibrord in Loverich den Film kennen, sei dahingestellt - doch von dem, was Gospel eigentlich ist, werden sie jetzt eine echte Vorstellung haben. Ursprünglich hatte das Konzert zu Gunsten der Mukoviszidose-Selbsthilfegruppe Aachen schon im vergangenen Jahr stattfinden sollen, aufgrund der Erkrankung vieler Chormitglieder musste dieser Termin aber abgesagt werden. Umso glücklicher war Herbert Lange als Vorsitzender, den Chor "New Praise" aus Übach samt Band nun endlich in der Lovericher Kirche begrüßen zu dürfen, wobei er insbesondere auch der Pfarre um Manfred Ganser für die gute Zusammenarbeit dankte.



Mit vollem Herzen bei der Sache: Die Gospelsänger und Sängerinnen des Chores "New Praise" lieferten eine tolle Darbietung.
Foto: Lars Odenkirchen


Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen aber nicht lange Reden, sondern die Musik. Die Kirchenbänke waren gefüllt, es mussten gar noch zusätzliche Stühle aufgebaut werden, um des Andranges Herr zu werden. Doch die Mühe lohnte vollends, denn nur, wer ein solches Gospelkonzert einmal live verfolgt hat, kann nachvollziehen, wie sich diese Musik anfühlt. Dem Chor, begleitet von E-Piano, Bass, Gitarre und Schlagzeug, gelang es wunderbar, dem Publikum die Musik des B1ack-Gospel näher zu bringen.


Dass sich diese nicht nur in dem, was etwa der Film "Sister Act" zeigt, erschöpft, war dabei schnell klar: Mal langsam und gefühlvoll, mal schnelIer, fetzig und laut waren die Lieder, die in ihrem Herkunftsland USA durchaus auch den Weg in die Charts finden. Eingängige Melodien, eine tolle instrumentale Begleitung und Sänger und Sängerinnen, die wirklich mit Herzblut bei der Sache waren, bekam man dort zu sehen und vor allem zu hören.
Doch eben auch das, was man sehen konnte, wusste zu gefallen:

In der Art, wie sich die Sänger und Sängerinnen zur Musik bewegten, erkannte man, wie sehr sie ihre Musik mitreißt. Dies beschränkte sich nicht nur auf die Musiker selbst: Bei vielen Liedern stand auch das Publikum, Zuschauer. tanzten und sangen die ausnahmslos englischen und religiös geprägten Texte laut mit. Ergreifend war aber nicht nur die Musik, schließlich erinnerten Banner immer wieder an den guten Zweck, für den das Konzert veranstaltet wird. Und als die Musiker zur Mitte des rund zweistündigen Konzertes hin eine kleine Verschnaufpause benötigten, war es an der Zeit, ein wenig über die Krankheit mit dem komplizierten Namen zu reden.

Mukoviszidose ist schließlich nicht jedem bekannt - dabei ist die unheilbare Krankheit die am häufigsten vererbte Stoffwechseierkrankung in Europa, wie der Verein Mukoviszidose berichtet.

Noch bis 1980 erreichte gerade einmal einer von hundert Betroffenen die Volljährigkeit, und die Folgen der Krankheit sind oft qualvoll: Ein zäher Schleim verstopft vor allem die Lunge, häufige Folgen sind etwa eine chronische Lungenentzündung und schließlich das Versagen des lebenswichtigen Organs. Als der heute 27-jährige Stefan von seiner Krankheit berichtete, wurde es merklich still in der Kirche. Wie viel Lebensfreude in dem Azubi steckt, der einen langen Leidensweg samt Lungentransplantation hinter sich gebracht hat, konnte jedoch jeder spüren. Als der junge Mann etwa davon sprach, wie er 2002 auf einmal auf eine DringIichkeits-Transplantationsliste gesetzt wurde, weil er sonst bald sterben würde, saß bei dem ein oder anderen Zuschauer schon ein Kloß im Hals. Obwohl die Lebenserwartung In den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist, besteht immer noch viel Aufklärungs- und Forschungsbedarf.

Wie sehr den Besuchern der Bericht zu Herzen ging, konnte Herbert Lange später in den Spendentöpfen feststeilen. 2710 Euro kamen zusammen, mit denen nun weiter geholfen werden kann.

"Das Geld geht bei uns nicht verloren", erklärt Lange, "wir finanzieren von unseren Spenden etwa für zwei Jahre eine halbe ArztsteIle am Luisenhospital in Aachen und unterstützen ein Forschungsprojekt in München."